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Ausbildungsreport Handel 2015/16

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Ausbildungsreport Handel 2015/16

Die Ausbildungsbedingungen im Handel lassen vielfach zu wünschen übrig.
Ausbildungen im Handel liegen voll im Trend, doch wie sieht es mit der Ausbildungsqualität aus? Robert Kneschke, Shutterstock.com Auszubildende im Handel Einzelhandel Supermarkt

Rund 160.000 junge Menschen ergreifen eine Ausbildung im Handel. Doch vielfach werden die Erwartungen an eine qualitativ hochwertige Berufsausbildung nicht erfüllt, zeigt der Ausbildungsreport Handel 2015/2016, den die ver.di zusammen mit dem DGB zum dritten Mal vorlegt. (Quelle: Pressemitteilung der ver.di vom 19.01.2017)

Der Ausbildungsreport Handel 2015/2016 ist eine Sonderauswertung der DGB-Ausbildungsreporte 2015 und 2016. Für den Report wurden 2015 über 4.000 und 2016 knapp 2.500 Auszubildende befragt. Danach gehören gesetzliche Verstöße bei vielen Auszubildenden im Handel zum Alltag. Das hat sich seit der ersten Erhebung 2013 leider kaum verändert. Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten, Leistungs- und Zeitdruck sind häufige Probleme in der Ausbildung.

Dabei sind Verstöße und die Nichteinhaltung gesetzlicher Regelungen und Verordnungen keine Kavaliersdelikte. Die Sanktionen für Unternehmen sind allerdings viel zu gering und die Rechtswirksamkeit dauert zu lange, sodass die Gesetze ihre Wirkung nicht entfalten können.

Die Ausbildungsqualität leidet auch unter den zu leistenden Überstunden, obwohl sie definitiv nicht zur Ausbildung gehören. Die Entwicklung zeigt, dass seit der ersten Erhebung 2013 ein Drittel der Auszubildenden regelmäßig Überstunden machen muss. Zwar hat sich die Vergütung der Überstunden seit 2013 verbessert, doch sind es immer noch knapp 16 Prozent, die keinen Ausgleich erhalten.

Wenn Überstunden regelmäßig gefordert werden, ist dies ein Zeichen für Personalmangel und für den Missbrauch von Auszubildenden, die als Vollzeitkräfte eingesetzt werden. Auszubildende sollten immer "on top" in der Personaleinsatzplanung organisiert werden!

ver.di Jugend im Handel

Hinzu kommen Schichtarbeit, Leistungs- und Zeitdruck. Im Handel liegt die Quote dieser Belastungen deutlich höher als im Gesamtdurchschnitt. Kein Wunder, dass dadurch echte Erholung nach der Ausbildung schwer fällt.

Alarmierend viele Auszubildende gehen selbst dann zur Ausbildung, wenn sie sich unwohl oder krank fühlen. Die gesundheitlichen Folgen für dieses Verhalten sind auf Jahre betrachtet verheerend. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden!

Die Arbeitsbedingungen werden nach Abschluss der Ausbildung nicht besser und der Wunsch sinkt, nach der Ausbildung im erlernten Beruf zu arbeiten.

Der Handel steht folglich vor einem Nachwuchsproblem, denn viele Auszubildende sind unzufrieden und wechseln nach der Ausbildung in eine andere Branche.

Bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen sind hier dringend nötig, um Unternehmen langfristig am Markt zu halten!

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Rund ein Drittel (33,8 Prozent) der Befragten beklagten 2016, dass sie regelmäßig Überstunden leisten müssen, obwohl dies für Auszubildende nur im absoluten Ausnahmefall vorkommen soll.
  • Ebenfalls ein Drittel (33,4 Prozent) klagt über Probleme, sich nach der Ausbildung in der Freizeit zu erholen.
  • Für 28,5 Prozent der Auszubildenden existiert kein betrieblicher Ausbildungsplan, obwohl gesetzlich vorgeschrieben.

"Diese und andere Ergebnisse sprechen dafür, dass viele Auszubildende als billige reguläre Vollzeitarbeitskräfte eingesetzt werden, statt eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu erhalten", sagte Franziska Foullong, ver.di-Jugendsekretärin im Handel.

"Es ist kein Wunder, dass über 30 Prozent der Befragten mit der Ausbildung nicht zufrieden sind und fast 18 Prozent nicht weiter im erlernten Beruf tätig sein wollen. Die Arbeitgeber müssen dringend umdenken, wenn sie die Branche für den Nachwuchs attraktiv gestalten wollen!"

"Zu guten Ausbildungsbedingungen gehören betriebliche Interessenvertretungen und Tarifverträge. Tarifbindung und Mitbestimmung im Handel werden immer rarer. Für die Auszubildenden bedeutet das unter anderem auch finanzielle Nachteile", so ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

"Deswegen geht es in der Tarifrunde 2017 einerseits um eine deutliche Erhöhung der Ausbildungsvergütungen. Vor allem aber brauchen wir wieder eine Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge!"

Aktuellste Infos zur Tarifbewegung der ver.di Jugend findet ihr auf unserer Kampagnenseite "besser unbequem".

Laut Ausbildungsreport lag die durchschnittliche Ausbildungsvergütung im Handel 2016 bei knapp 724 Euro brutto monatlich. Mit einem ver.di-Tarifvertrag sind es dagegen 837 Euro.

Statements zur aktuellen Lage als Video

Die momentane Ausbildungssituation und -qualität im Handel kommentieren:

  • Franziska Foullong, Jugend im ver.di Bundesfachbereich Handel
  • Marcel Voges / Aktiver der ver.di Jugend und ehemaliger Auszubildender im Handel
  • Simon Habermaaß / ver.di Bundesjugendsekretär

 

Mehr Infos zum Ausbildungsreport