ver.di Jugend

Arbeit und Freizeit für alle!

Interessen vertreten

Arbeit und Freizeit für alle!

Der Kampf für den Erhalt und das Schaffen von Arbeitsplätzen ist genauso wie für die individuelle und gesellschaftliche Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben ein Kernziel der Gewerkschaftsbewegung. Dabei ist die Arbeitszeit ein Schlüsselelement.

Seit Mitte der 90er Jahre allerdings hält die Arbeitszeitverlängerung und -flexibilisierung an und drängt von diesem Ziel ab – ein Alarmsignal für uns als Gewerkschaft. Die hart erkämpften Errungenschaften wie der Acht-Stunden-Tag, die Fünf-Tage-Woche und der freie Samstag werden peu à peu unterlaufen.

Leider waren die Gewerkschaften bisher zu schwach, um diese Entwicklungen zu verhindern. Um unser Kernziel nicht aus den Augen zu verlieren, müssen wir die Debatte der Arbeitszeitpolitik wieder neu entfachen. Die Diskussion zur Arbeitszeitverkürzung darf keineswegs beendet sein, sondern muss mit den Beschäftigten in Betrieben und Dienststellen weitergeführt werden!

Warum Arbeitszeitverkürzung?
Vor allem im letzten Jahrzehnt ergaben sich im Bereich der Arbeitszeit leider auch viele negativen Entwicklungen. So wurde eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit durch die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 durchgesetzt. Ebenso nehmen Überstunden zu und die Arbeitszeiten verlagern sich häufiger in die Nacht, auf Wochenenden oder in Schichtsysteme.

All das schadet nachweislich der Gesundheit und führt insbesondere zu psychischer Belastung und Erkrankung. Die aktuellen Arbeitszeiten rücken auch die Vereinbarkeit von Familie, Ehren-amt, gesellschaftlichem Engagement und Weiterbildung einerseits und Erwerbstätigkeit ande-rerseits in weite Ferne – vor allem Frauen sind hiervon nach wie vor besonders betroffen.

Diese Entwicklungen müssen wir wieder positiv verändern. Auseinandersetzungen um eine Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich als Tarifforderung dürfen für Gewerkschaften nicht länger die Ausnahme bleiben. Die Aufgabe der ver.di Jugend liegt hierbei darin, die Diskussion um die Arbeitszeitverkürzung wieder in die Köpfe der Beschäftigten zu bringen. Es kann nicht sein, dass die Arbeitsbelastung von Beschäftigten ständig zunimmt, während gleichzeitig immer mehr Menschen arbeitslos werden.

Durch Arbeitszeitverkürzung erreichen wir eine gerechtere Verteilung der vorhandenen Arbeit auf mehr Beschäftigte. Nach Berechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institutes (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung würde die allgemeine Einführung der 35-Stunden-Woche in Westdeutschland über eine Million Arbeitsplätze schaffen.

Moderne (Arbeits-)Zeiten
Während der Dauer eines Arbeitslebens sind in unterschiedlichen Lebensphasen auch unter-schiedlich lange Vollzeit- oder Teilzeitarbeitsstandards notwendig. Zur Gründung einer Familie, Betreuung der Kinder oder aber der Pflege von Angehörigen muss ein tarifvertraglich gesichertes Recht auf Verkürzung der Arbeitszeit ohne untragbare finanzielle Einbußen bestehen. Demgegenüber muss von den Unternehmen erzwungene Teilzeitarbeit zurückgedrängt werden.

Die Rente mit 67 erfordert ein Konzept, das die Belastungen zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit reduziert, damit die Beschäftigten eine Chance haben, die gesetzliche Altersgrenze zu erreichen. Dies bedeutet u. a. eine massive Verkürzung der Arbeitszeit, um sich in Pausenzeiten wirklich regenerieren zu können und so gesundheitliche Einschränkungen zu vermeiden.