ver.di Jugend

Betriebliche Ausbildung

Perspektiven sichern

Betriebliche Ausbildung

Eine gute Ausbildung beginnt mit einem ausreichenden, auswahlfähigen Angebot an Ausbildungsplätzen. Ausbildung muss ein individuell einklagbares Recht für alle sein und Unternehmen müssen verpflichtet werden, eine Ausbildungsquote von mindestens sieben Prozent der Belegschaft sicherzustellen. Alle Betriebe, die dieses Ziel verfehlen, sind über eine Umlagefinanzierung an den gesellschaftlichen Kosten der Berufsausbildung junger Menschen zu beteiligen.

Die ver.di Jugend setzt sich außerdem ein:

Für eine qualitativ hochwertige und kostenlose Ausbildung
Ausbildung ist keine Erwerbsarbeit und Auszubildende sind keine Beschäftigten – somit können sie auch nicht als solche eingesetzt werden. Zur Qualität der Ausbildung gehört mindestens das Einhalten der Ausbildungsrahmenpläne und Ausbildungspläne.

Ebenso ist gut ausgebildetes Ausbildungspersonal ein Qualitätsmerkmal. Bei der Neuordnung oder der Entwicklung neuer Ausbildungsberufe müssen die Kernelemente und -inhalte des jeweiligen Ausbildungsberufs berücksichtigt werden. Zielvereinbarungen und Umsatzbeteiligung sind ebenso abzulehnen wie Überstunden in der Ausbildung.

Aus Sicht der ver.di Jugend muss Ausbildung außerdem kostenlos sein und müssen Auszubildende eine existenzsichernde Ausbildungsvergütung erhalten. Dem Aufbau sozialer Hürden durch offene oder versteckte Kosten (z. B. Schulgeld oder Gebühren aller Art) stellen wir uns konsequent entgegen.

Für ein duales Ausbildungssystem
Die ver.di Jugend setzt sich dafür ein, das duale Ausbildungssystem zu sichern und kontinuierlich auszubauen. Wir stehen für den Erhalt einer umfassend qualifizierten und qualifizierenden Ausbildung über einen Zeitraum von mindesten drei Jahren – denn bei einer kürzeren Ausbildungszeit können weniger Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden. Damit kann zum Ende der Ausbildung nur die Übernahme als weniger qualifizierte und billigere Fachkraft erfolgen, was letztlich die individuellen Chancen im Berufsleben verringert.

Berufsschulen sind ein integraler Bestandteil des dualen Ausbildungssystems. Sie müssen auch in Zukunft den Anforderungen von sich weiter entwickelnden Berufen gerecht werden. Daher fordert die ver.di Jugend materiell und personell besser ausgestattete Berufsschulen mit guten Arbeitsbedingungen und kontinuierlichen Qualifizierungsmöglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer. Einblicke in den betrieblichen Ausbildungsablauf sind notwendig und müssen organisiert werden.

Duale Studiengänge sind eine sinnvolle Ergänzung zum dualen Berufsbildungssystem einerseits und für angewandte Wissenschaft an Hochschulen und Universitäten andererseits. Es gilt, dieses System weiterzuentwickeln, bundesweit einheitliche Standards einzuführen und duale Studiengänge als betriebliche Ausbildungsverhältnisse zu deklarieren.

Studiengänge müssen für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung ohne weitere Zwischenschritte geöffnet werden. Dies würde zusätzliche Qualifizierungen an Berufsakademien und Hochschulen ermöglichen, die es zulassen, nach erfolgter praktischer IHK-Prüfung nur noch die theoretischen Bestandteile zu absolvieren.

Für die Vergleichbarkeit von Abschlüssen
Bei der Einstufung von Qualifikationen soll der Stellenwert der dualen Ausbildung deutlich hervorgehoben werden. Die Vergleichbarkeit von schulischer und beruflicher Ausbildung muss sichergestellt werden. Daher soll sich beim achtstufigen Kompetenzmodell des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) die duale Ausbildung, gleichgestellt mit dem Abitur, auf der Stufe fünf wiederfinden. Die erworbenen Kompetenzen in der dualen Ausbildung sind durch die Abschlussprüfung nachgewiesen.

Vergleichbar mit dem Bologna-Prozess im Hochschulbereich wird im Bereich der Berufsausbildung auch über die internationale Vergleichbarkeit von Abschlüssen diskutiert. Damit einher geht die Modularisierung von Ausbildungsberufen. Sie birgt jedoch die Gefahr einer „Zerstückelung“ der Ausbildungsberufe in abgegrenzte Tätigkeitsbereiche.

Darüber hinaus ist es problematisch, den Arbeitgebern die Anzahl der zu absolvierenden Module zu überlassen. Hierdurch werden u. U. Ausbildungsmodule auf betriebliche Arbeitsprozesse zugeschnitten und Auszubildende können evtl. nicht alle relevanten Module absolvieren.

Für ein starkes Jugendarbeitsschutzgesetz
Nicht zuletzt sprechen wir uns konsequent gegen jede Verschlechterung des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG) aus. Gleichzeitig muss eine Anwendung des JArbSchG branchenübergreifend ohne Ausnahmeregelungen erfolgen.

Dabei geht es vor allem um die geschützten Arbeitszeiten. Hier sollte das Gesetz im Sinne einer "Annäherung an das veränderte Freizeitverhalten von Jugendlichen und der Anpassung an betriebliche Erfordernisse" geändert werden, wie es in einem Arbeitspapier heißt. Unter anderem wurde vorgeschlagen, die Höchstarbeitszeiten für die Gewährung von Ruhezeiten anzuheben, die Beschäftigungsverbote für Jugendliche zu bestimmten Tageszeiten und damit ihr Recht auf Nachtruhe drastisch einzuschränken sowie das Züchtigungsverbot für Arbeitgeber gegenüber Jugendlichen nicht länger im JArbSchG zu regeln.

Diese geforderten Änderungen sind nicht hinnehmbar, verschlechtern sie doch massiv die Bedingungen für jugendliche Auszubildende. Dies zeigt sich schon in der Gastronomie, welche zu den lautstärksten Verfechtern der Verschlechterungen zählt, gleichzeitig aber schon jetzt aufgrund der vorherrschenden schlechten Arbeitsbedingungen die höchsten Abbrecherquoten und zahlreiche unbesetzte Ausbildungsplätze verzeichnet.

Das JArbSchG muss somit in seiner jetzigen Form erhalten bleiben, damit jugendliche Auszubildende nicht noch weiter als billige Hilfskräfte ausgenutzt werden.